Torsten’s 280SE Cabrio

Das bin ich: MERCEDES BENZ 280 SEb CABRIO


Baujahr 1968 / Typ 111 / 6 Zylinder / 160 PS / Farbe weiß (050) / Leder bordeaux/      Automatikgetriebe  / Becker Suchlauf-Radio /  Ext. Kassettengerät / Servolenkung /  300er-Chrom / Weißwandreifen / bleifreier Motor.
  
Und das ist meine Geschichte:


Kurz nachdem ich in den Sindelfinger Werkshallen das Licht des Lebens erblicken durfte, verfrachtete mich mein erster Besitzer nach Ibiza. Dort durfte ich einige Jahre promenieren und meistens offen meine Schönheit zur Schau stellen. Das war schon ein Supereinstieg in das Automobilleben, wenn es auch genügend neidische Blicke meiner Blechkollegen gab.

Nach gut 5 Jahren hatte ich aber die Nase voll von der High Society und wurde in Deutschland bei einem Versicherungsmakler sesshaft. Jedenfalls glaubte ich das. Die kritischen und begehrlichen Blicke seiner Kunden auf mich jedenfalls bewogen ihn, mich nach nur 4 Monaten bei einem Autohändler zum Verkauf anzubieten. Dessen Frau wollte mich zwar gerne für sich selbst haben (wäre mir sehr entgegen gekommen), aber der schnöde Mammon sorgte dann doch für den Verkauf in andere Hände.

Aber ach, welch ein Unterschied zum bisherigen Leben. Kein Geld, kein Benzin, keine Pflege. Die Kosten für mich sind ja schon beachtlich, bin ein echtes Luxusgeschöpf. Das sah mein Besitzer auch so und über einen geplatzten Wechsel kam ich nach wenigen Wochen wieder zum Autohändler zurück.
Jetzt nahm er aber die Gelegenheit wahr und fuhr selbst mit mir. Zumindest für ein knappes Jahr. Dann hat mich ein sehr seriöser Herr gekauft und als Drittfahrzeug ausgesprochen gut behandelt. Ich habe es ihm gedankt und ihn nie im Stich gelassen. Aber wie es so heißt: bis der Tod euch scheidet.

Mein alter Herr verließ mich und da seine Tochter so gar nicht mit mir zurecht kam (ich hatte wohl 159 Pferde zuviel), musste ich geschlagene drei Jahre in einer schlecht belüfteten Garage hausen. Nicht fahren, nur stehen. Das war nicht besonders gut für mich. So habe ich es kaum glauben können, als die Garage mal wieder geöffnet wurde und mein jetziger Besitzer mich anschaute – Liebe auf den ersten Blick. Ich wusste sofort, er würde mir wieder auf die Reifen helfen. Was er auch sofort mittels eines Kompressors tat. Das tat wohl und ich revanchierte mich, indem ich sofort ansprang. Ohne Problem bekam ich wieder eine Zulassung, sogar mit einem H am Ende. Die traurigen Tage waren vorbei, endlich wieder fahren – bis zu diesem schrecklichen Tag im November, als uns ein LKW mit Hänger entgegenkam – aber auf unsere Spur.

Mein Besitzer hatte Glück und wurde nicht verletzt, ganz im Gegensatz zu mir. Bei mir wurden reichlich Schäden an meinem Äußeren festgestellt. Jetzt zeigte sich allerdings, wo ich gelandet war. Liebevoll begutachtet und zerlegt, erlebte ich eine tolle Zeit der Renovierung, auch wenn ich sie nicht überall notwendig gehabt hätte. Aber versehen mit neuen Blechkleidern, neuen Chromteilen und einem perfekten Make Up zum Schluss, bin ich wieder ganz die alte Diva. Dass ich inzwischen auf feinen Weißwandreifen laufen darf und nur noch bleifreies Benzin zum Trinken bekommne, tut meiner Gesundheit natürlich sehr gut. So das war sie, meine Lebensgeschichte bis hierher. Auch Brautpaare schmücken sich gerne mit mir. Gefalle ich Euch?

Info: Torsten Hauser