Ralf’s 280SE/C

Am 22. Januar 1968 wurde mein 280er Coupé auf die Daimler-Benz AG Nürnberg als Vorführwagen zugelassen. (Fahrgestell-Nr. XXX 000076).

Ein paar Monate später kaufte ein Bäcker aus Fürth den Wagen, damals für 25.000,- Mark, und legte das Coupé erst kurz vor seinem Tode 1997 still. Im Sommer 2001 habe ich dann das Auto bei Kilometerstand 122000 von den Erben gekauft, diverse Standschäden beseitigen lassen (Brokkolitank, neue Weißwandreifen, zerbröselte Zylinderkopfdichtung usw.), und wieder zugelassen. Classic Data hat ihn wegen der gut erhaltenen Innenausstattung noch als Zweier durchgehen lassen.

Bis auf die Nachlackierungen im vorderen Bereich wegen eines Schadens bei einer Italien-Urlaubsfahrt hat der Wagen noch Originallack "Tunisbeige Metallic". Auch ansonsten ist noch alles "original", bis auf den getauschten Tank. Lenkradautomatik und elektrisches Schiebedach, originales Beckerradio und offensichtlich vom Vorbesitzer liebevoll gepflegtes Leder und Holz reichen zum genussvollen Cruisen.

Der Bäcker war ein penibler Mensch, für den das Auto damals wohl ein Lebenstraum war, sonst hätte er nicht alles so ordentlich aufgehoben und den Wagen behalten, obwohl er schon längst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fahren konnte. Ein Aufkleber in der Fahrertür weist auf einen Ölwechsel bei 115000 km hin, und das im Jahre 1985! Kein Wunder, dass die (Winter-)Reifen viereckig waren und der Tank purer Rost, als ich das Coupé kaufte. Mit gerade mal 8000 gefahrenen Kilometern in 16 Jahren. Die letzten 5 Jahre davon stand der Wagen gänzlich unbewegt in der Garage des Vorbesitzern.

Im Kofferraum fand ich dutzende von Tüchern, Pinseln, Tinkturen, Schwämmen und Mittelchen mit denen der (alte) Herr den Wagen Jahrzehnte lang behandelt hatte. Prospekte von Mercedes, ADAC Ausweis und Reiseunterlagen aus den frühen 70er-Jahren (Hotelzimmer für 17 Mark), eine 30 Jahre alte Reiseapotheke und als Krönung einen Notizzettel, auf dem der Bäcker die Autos und Kennzeichen der neben ihm parkenden Fahrzeuge notierte, wohl um später bei evtl. Kratzern in der Tür die "Verdächtigen" belangen zu können. Die Pedanterie ging soweit, dass sogar der Holzklotz, der als Unterlage für den Wagenheber dienen sollte, in Zeitungspapier eingewickelt war und die Beschriftung "Unterlage für Wagenheber" trug.

Ralf Maier